Kroatien attackiert Italien in Frage der Vertriebenen
Die Beziehungen zwischen Italien und Kroatien sind erneut gespannt. Kroatiens Präsident Stipe Mesic hat sich kritisch über ein kürzlich vom italienischen Parlament verabschiedetes Gesetz geäußert, das Kroaten italienischer Abstammung aus Istrien, Rijeka und Dalmatien die italienische Staatsbürgerschaft gewährt.
Das Gesetz, das wenige Tage vor der Auflösung des italienischen Parlaments vor zehn Tagen verabschiedet wurde, ist noch nicht von Staatschef Carlo Azeglio Ciampi ratifiziert.
Mesic betonte in einem offiziellen Schreiben, dass die italienische Initiative „suspekt“ sei. „Istrien und Dalmatien sind untrennbare Teile Kroatiens. In der Geschichte hat Italien in diesen Regionen eine unbestreitbare Rolle gespielt, die Bewohner dieser Gebiete sind aber kroatische Bürger. Jede Initiative, die sie in eine doppelte Position versetzt, kann die italienischen-kroatischen Beziehungen nicht fördern“, so Mesic.
Die Beziehungen zwischen Zagreb und Rom sind ohnehin wegen der Frage der Entschädigung italienischer Vertriebener aus Istrien gespannt. Seit 2002 verhandeln Italien und Kroatien vergebens um ein bilaterales Abkommen zur Entschädigung jener Italiener, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Kroatien vertrieben wurden und deren Eigentum nationalisiert worden war.
Die im Osimo-Vertrag (1975) und im römischen Vertrag (1983) vorgesehenen Entschädigungen wurden bisher noch nicht ausbezahlt. Die Abkommen mit Italien, die nach der Auflösung Jugoslawiens von Kroatien und Slowenien „geerbt“ wurden, sehen vor, dass Zagreb den italienischen Vertriebenen 35 Millionen US-Dollar (28,8 Mill. Euro) zahlen muss. Die Summe soll auf Konten italienischer Banken in Kroatien fließen.
2002 war eine bilaterale Kommission eingerichtet worden, die sich mit der Frage der Entschädigungen sowie der Rückgabe der ehemaligen Besitztümer an die Italiener, die nach dem Zweiten Weltkrieg Istrien und Dalmatien verlassen mussten, befassen sollte. Die Arbeit der Kommission führte jedoch bisher zu keinen Resultaten. Die Zahl der Italiener, die nach 1945 Gebiete im ehemaligen Jugoslawien verlassen mussten, wird auf rund 350.000 geschätzt.
Kroatien hatte sich in den vergangenen Jahren stets bereit erklärt, über eine Entschädigung zu diskutieren, wollte jedoch nicht für die Häuser aufkommen, welche die Italiener verlassen mussten. „Ansonsten müsste man nicht nur den vertriebenen Italienern, sondern auch den Österreichern, Deutschen und Juden die Wohnungen zurückgeben, aus denen sie nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden“, betonte ein Sprecher der rechtsextremen Kroatischen Partei des Rechts.
Quelle: dolomiten.it
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