WM-Countdown: Kroatien im Portrait
Das Land
Kroatien ist trotz seiner eher geringen Einwohnerzahl (etwa 4,5 Mio. leben auf 56.500 Quadratkilometern) einer der größten Produzenten von Klasse-Fußballern in Europa. Jahr für Jahr verlassen Duzende Kicker das Land, um in kleinen und großen Ligen Europas ihr Glück zu versuchen. Seit 1991 ist Kroatien eine eigenständige Republik, deren Hauptstadt Zagreb ist. Kroatien lebt großteils vom Fremdenverkehr, aus ganz Europa reisen jährlich mehrere Millionen Menschen an die malerische Adria-Küste. Auch der EU könnte Kroatien in der nächsten Zukunft beitreten, den Status eines offiziellen Beitrittskandidaten hat man seit Jänner 2006, seit Ende 2005 werden Beitrittsverhandlungen geführt. Österreich ist mit Abstand größter Auslandinvestor in Kroatien.
Die Erfolge
Als noch junge Nation erfuhr Kroatien seinen Höhepunkt bei seiner ersten WM-Teilnahme 1998, als man sensationell den dritten Platz belegte, dabei unter anderem Deutschland (3:0) und die Niederlande (2:1 im Spiel um Platz drei) besiegte. Davor Suker krönte sich damals zum WM-Torschützenkönig (sechs Treffer). Neben der Vorrundenniederlage gegen Argentinien (0:1) musste man sich nur dem späteren Weltmeister Frankreich (1:2) beugen. Bei der Europameisterschaft 1996 fuhr man mit großen Zielen nach England, unterlag schließlich im Viertelfinale Deutschland mit 1:2. Im Jahr 2000 verpasste man die Qualifikation für die EM, 2002 schieden die „Vatreni“ (die Feurigen) bei ihrer zweiten Endrunde schon in der Vorrunde aus.
Das Spiel
Die Mannschaft ist auf allen Positionen gut besetzt, kann als homogen und kompakt bezeichnet werden. Den Primgeigern von einst rückten zweifelsohne technisch beschlagene Kicker nach, doch die Genialität eines Sukers oder Prosineckis fehlt. Der Star ist sicher die Mannschaft, über torgefährliche Offensivkräfte verfügt Zlatko Kranjcars Truppe freilich dennoch. Allen voran der 30-jährige Dado Prso (Glasgow Rangers), Marko Babic (Bayer Leverkusen) und Ivan Klasnic (Werder Bremen). Kranjcar übernahm die Truppe nach der wenig glorreichen EM 2004, als es in der Vorrunde zwei Remis sowie eine 2:4-Niederlage gegen England gab. Der einstige Rapid-Kicker hat an der Zusammensetzung nicht viel verändert, pflegt allerdings einen wesentlich umgänglicheren Stil als sein autoritärer Vorgänger Otto Baric. Im Lager der Kroaten gibt man sich optimistisch, in Gruppe F (mit Brasilien, Japan und Australien) zumindest Platz zwei zu erreichen. In der Qualifikation jedenfalls lieferte man eine souveräne Vorstellung ab, schoss sich ungeschlagen zu Platz eins vor Schweden und Bulgarien.
Die Stars
Dado Prso
Der Mann mit dem Pferdeschwanz ist ein echter Spätstarter. 1994 verließ der heute 31-Jährige seine Heimat Richtung Frankreich, verdingte sich als Amateur-Kicker und Automechaniker, ehe der AS Monaco 1997 auf ihn aufmerskam wurde. Über Ajaccio erkämpfte er sich schließlich einen Platz bei den Monegassen und avancierte dort zu einer scharfen Waffe im Sturm: 2002/03 gelang der Durchbruch, Prso erzielte in 20 Spielen 12 Treffer. Da hatte auch schon Kroatiens damaliger Teamchef Otto Baric Notiz von ihm genommen. Bei seinem Team-Debüt im EM-Quali-Spiel gegen Belgien im März 2003 siegte Kroatien dank zweier Prso-Tore 4:0, seitdem hat der derzeit für die Glasgow Rangers Spielende seinen Platz fix.
Niko Kranjcar
Der Sohn von Trainer Zlatko Kranjcar ist einer der ganz wenigen im kroatischen Kader, der sein Geld noch in der Heimat, respektive beim Fünften der abgelaufenen Meisterschaft, Hajduk Split, verdient. Nach der WM sollte sich das freilich ändern, angeblich hat auch Bayern schon Interesse am „kroatischen Zidane“ bekundet. Dank seiner Kreativ-Arbeit im Mittelfeld hat der 21-Jährige in den vergangenen zwei Jahren auch jene Kritiker verstummen lassen, die ihm Protektion unterstellt hatten, waren sein Debüt und das seines Trainer-Vaters doch aufeinander gefallen.
Ivan Klasnic
Klasnic ist einer von sieben im Ausland geborenen Spielern. Der Linksfüßer kam 1980 in Hamburg zur Welt, spielte schließlich für den FC St. Pauli und wechselte 2001 zu Werder Bremen, wo er 2004 13 Treffer erzielte und auch den Meistertitel bejubeln durfte. Klasnic ist schnell, trickreich, auch in der Luft eine Macht und schießt seine Tore auch schon mal aus dem Nichts heraus. Der Sturm-Kollege von Dado Prso gehörte bei der EM 2004 dem kroatischen Kader an, wurde jedoch nicht eingesetzt. Insgesamt hat Klasnic 17 Treffer für Kroatien erzielt, die zwei Letzten beim Testspiel gegen Österreich. Um seinen Stammplatz muss Klasnic dennoch bangen, Teamchef Kranjcar zieht auch Balaban und Olic noch in Betracht.
Der Kader
Torf:– Tomislav Butina (FC Brügge/BEL), Stipe Pletikosa (Hajduk Split), Joey Didulica (Austria Wien/AUT)
Verteidigung: Robert Kovac (Juventus Turin/ITA), Stjepan Tomas (Galatasaray/TUR), Dario Simic (AC Milan/ITA), Mario Tokic (Austria Wien/AUT), Josip Simunic (Hertha Berlin/GER), Igor Tudor (Siena/ITA)
Mittelfeld: Jerko Leko (Dynamo Kiev/UKR), Jurica Vranjes (Werder Bremen/GER), Antony Seric (Panathinaikos/GRE), Niko Kovac (Hertha Berlin/GER), Marko Babic (Bayer Leverkusen/GER), Darijo Srna (Shakhtar Donetsk/UKR), Ivan Leko (FC Brügge/BEL), Luka Modric (Dynamo Zagreb), Niko Kranjcar (Hajduk Split)
Angriff: Ivan Klasnic (Werder Bremen/GER), Ivan Bosnjak (Dynamo Zagreb), Bosko Balaban (FC Brügge/BEL), Ivica Olic (CSKA Moskau/RUS), Dado Prso (Rangers/SCO) [GÜN]
Quelle: sportlive.at
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